Mehr Güter auf die Schiene

KCW-Studie zeigt, wie es gelingen kann

In verkehrspolitischen Sonntagsreden ist die Verlagerung von Gütern vom Lkw auf den Zug eine gern formulierte Zielsetzung. In der Praxis wird hingegen nur wenig dafür getan. So ist denn auch die Bedarfsplanprognose des Bundes einigermaßen ambitionslos, was den Güterverkehr angeht.

Wie eine strategische Infrastrukturentwicklung zugunsten eines stark wachsenden Schienengüterverkehrs (SGV) aussehen kann, hat KCW im Auftrag des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen e. V. (NEE) und des Verbandes der Güterwagenhalter in Deutschland (VPI) e. V. erarbeitet. Das Ergebnis dieser Untersuchung stellten die beiden Verbände und KCW in Berlin vor. Die anwesenden Gäste (Presse, Politik und Branchenvertreter) nahmen die Vorstellung der Studie positiv auf; Umso mehr, als der Erfolg des Güterverkehrs auf der Schiene unverzichtbar ist für das Gelingen der Verkehrswende.

Ausgangslage und Verlagerungspotenziale
Die Untersuchung „Güter auf die Schiene“ geht davon aus, dass sich die Nachfrage im Schienengüterverkehr bis 2035 verdoppelt. Bei der Studie handelt es sich um die methodische Fortschreibung einer Untersuchung, die KCW im Jahr 2010 für das Umweltbundesamt erstellt hat. Die Ausgangsprämisse entspricht in etwa einer Verdopplung des Marktanteils der Schiene im Güterverkehr.
Neben dem Wachstum auf den heute schon bekannten Hauptstrecken wurde zwei Verlagerungspotenziale erkannt, die bisher in den Netzentwicklungsplänen nur unzureichend berücksichtigt werden:

  • Der grenzüberschreitende Güterverkehr wird aktuell vor allem Richtung Frankreich sowie Tschechien (von/nach Bayern) und Polen überproportional mit dem Lkw gefahren und
  • auf der südlichen Ost-West-Achse fehlt es an einer leistungsfähigen Bahninfrastruktur in Konkurrenz zur Autobahn A6.

Engpassanalyse offenbart Schwächen im Schienennetz
Die Autoren glichen die zahlenmäßige Belastung durch Güterzüge streckenscharf mit den für den SGV vorhandenen Trassen ab und berücksichtigten dabei auch derzeitige und zu erwartende Verkehrsmengen im Personenverkehr. Auf Basis verfügbarer Systemtrassen wurde auch die Leistungsfähigkeit von Knoten untersucht. Schließlich wurden sog. „Umroutungen“ unterstellt, d. h. die Verlagerung einzelner Zugfahrten auf andere, weniger belastete Schienenwege. Im Ergebnis erstellten die Bearbeiter eine Engpasskarte für den Schienengüterverkehr, die die absehbaren Schwachstellen im Netz aufzeigt. Deren Beseitigung ist zentral für die ambitionierte Entwicklung des SGV.

Die Lösung: Mit wenig Geld viel bewirken
Die gezielte Beseitigung dieser Engpässe an Schienenwegen und in den Knoten gelingt nach Einschätzung von KCW durch:

  • Priorisierung hochwirksamer SGV-Projekte, die bereits im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) enthalten sind (zusätzlich zu 22 BVWP-Maßnahmen, die nach Ansicht von KCW „sicher“ bis 2035 umgesetzt werden),
  • Sonderprogramm für die zusätzliche Engpassbeseitigung im Schienennetz,
  • Sonderprogramm zur Förderung grenzüberschreitenden Schienengüterverkehrs.

In Summe schlägt KCW 90 Einzelprojekte vor (z. B. Elektrifizierungsmaßnahmen, Blockverdichtungen). Im Vergleich zu Bahngroßprojekten ist der Mittelbedarf hierfür moderat: Mit gerade einmal rund 7,26 Milliarden Euro, also jährlich ca. 280 Mllionen Euro bis 2035, kann das deutsche Schienennetz fit gemacht werden für einen stark wachsenden Güterverkehr. Auch ein erhöhtes Angebot im Personenverkehr kann dann problemlos gefahren werden.

KCW zeigt, neben der branchenweit anerkannten Leidenschaft für den Schienenpersonenverkehr, mit dieser Studie auch wieder einmal mehr sein Herz für die Güterbahn.